Schöpfung: AT + Wissenschaft

Bitte beachten!:
Nur in den dafür vorgesehenen Schulstunden daran arbeiten.

Das bedeutet nicht!: Dass das in zwei Stunden erledigt sein muss!!! Nächste Woche arbeitest Du an der Stelle weiter, an der Du heute aufgehört hast.
Nicht hetzen, es geht nicht um Schnelligkeit.

Ich mache keinen Druck – macht Ihr Euch auch keinen!
Es geht darum, es nachzuvollziehen – und zwar kritisch nachzuvollziehen.
Es geht um Sorgfalt.
Es gibt keine Hausaufgaben.
Achtet auf Pausen.

Wir haben im Alten Testament zwei Schöpfungsgeschichten. Die eine Schöpfungsgeschichte finden wir – grob gesagt – im 1. Buch Mose 1 (Genesis 1) und die zweite im 1. Buch Mose 2 (Genesis 2).

Die erste Schöpfungsgeschichte legt den Schwerpunkt auf eine Tageszählung – es gibt zudem Sätze, die immer wieder wiederholt werden: Gott schuf den Himmel und Erde an sieben Tagen. Und dann heißt es häufig: ….

Aufgabe 1:
a) Lies den Text Genesis 1
b) markiere die Sätze, die sich häufig wiederholen.
c) Lies die Sätze, die sich immer wieder wiederholen laut – welchen Eindruck hinterlassen sie?
d) Stell Dir vor: Dieser Text ist in einer Zeit entstanden, als es dem Volk Israel ganz schlecht ging. Welche Wirkung hatten diese Wiederholungen auf verängstigte und gedemütigte Menschen?

Den folgenden Text hast Du wohl schon heruntergeladen, denn er war schon hier https://mini.evangelische-religion.de/schoepfung-und-natur/ Thema. Für den Fall, dass nicht, führe ich ihn hier noch einmal an:

Das ist im Grunde wie ein Refrain – also ein Text, der in Liedern immer wieder wiederholt wird. Von daher spricht man von einem Lehrgedicht / Lehrlied. Weil das Lehrgedicht das Thema Schöpfung hat und erklärt, wie alles entstanden ist, wird er auch der Textform, Textgattung, Textart: Mythos zugeordnet.

Was ist ein Mythos?

Aufgabe 2: Bitte merken!:

Ein Mythos schlägt sich in Texten nieder: Er gibt keinen logisch nachvollziehbaren Bericht, sondern er erzählt eine Geschichte. Ein Schöpfungsmythos versucht nicht das Geschehen (im gegenwärtigen Sinn) wissenschaftlich zu erklären, sondern  mit ihm versucht der Mensch, sich selbst in der Welt zu verorten: Warum ist alles, was wir sehen? Wie stehe ich in dieser Welt? Warum? Was für Aufgaben habe ich? Weil Götter, ein Gott  alles erschaffen hat – und das ging so… Aber auch Genesis 1 und 2 greifen vermutliche wissenschaftliche Errungenschaften der damaligen Zeit auf, denn es wird beschrieben. Das beschreiben, was man sieht, das Gesehene einteilen (Pflanzen, Tiere, Zeiten, Universen) und interpretieren, ist die Grundlage der Wissenschaft.

Die Wissenschaft der Zeit, in der der Text entstanden ist, nennt man „Weisheit„. In der Weisheit sieht man alles zusammen: Gott/Götter, Menschen, Natur. Unsere Wissenschaft trennt heute alle Bereiche: Gott = Theologie / Religionswissenschaft; Mensch = Anthropologie. Und dann werden unterschiedliche Themen, die den Menschen betreffen wieder unterschieden: Psychologie (es geht im die Psyche des Menschen), Soziologie (es geht um das Zusammenleben der Menschen) usw. Natur wird unterteilt in zum Beispiel: Biologie, Astronomie und all diese Bereiche werden wieder in andere unterteilt. Aber in der damaligen Zeit sah man, wie gesagt, alles zusammen.

Wenn Du also die Sätze, die sich wiederholen ganz bewusst gelesen hast, dann merkst Du, das Lied ist nicht nur ein Mythos, es ist nicht nur ein Lehrlied, es ist auch ein Trostlied: Ihr könnt in der Welt nichts Gutes erkennen – nur Krieg, Sklaverei, Angst. Aber: Gott hat die Welt geschaffen – und sie ist im Grunde gut. Und Gott gab den Menschen den Auftrag, seine Schöpfung zu gestalten. Wie es dann dazu kam, dass sie gut ist – aber dass Menschen dennoch so viel leiden müssen, wird dann in dem zweiten Text von Genesis 2f. geklärt: Menschen werden schuldig. Sie tun nicht Gottes Willen. Weil dem so ist, gibt es viel Leid.

*

Aufgabe 3a:
Hinter dem folgenden Link findest Du ein Bild, das die sieben Tage wiedergibt. Male es an – und denke dabei über das soeben Gelesene nach:

Aufgabe 3b: Hast Du schon einmal überlegt, warum die Schöpfungsgeschichte schreibt, dass die Welt in sieben Tagen erschaffen wurde? Was findest Du in der Schöpfungsgeschichte am letzten Tag? (Antwort siehe unten.)

*

Nun hast Du das Bild angemalt. Schauen wir mal, was die heutige Naturwissenschaft herausgefunden hat. Natürlich handelt es sich mit den Jahresangaben um „zirka/ca.“-Angaben. Ich stelle die Schöpfungstage und das, was Naturwissenschaften herausgearbeitet haben, nebeneinander.

1. TagLicht / Dunkelheit14 Mrd. Jahre„Urknall“ (1) – Licht am Anfang des Universums stand Licht / Energie
2. Himmel / Erde (= Entstehung von Materie und Raum)14
5
Galaxien entstanden;

Sonne = Stern aus Gaswolke und unser Planetensystem entstanden / Erde
3. Erde / Meer4Erdkruste / viel Wasser zog sich in Erdkern zurück?/ Kontinente
Pflanzen3,5-2,7(?)Cyanobakterien, Photosynthese, Zellkerne, Zellteilung, Moleküle, Einzeller
4.Sonne, Mond, Sterne (= Entstehung von Zeit)
5.Wassertiere, Vögel (Vögel schwimmen durch Luft wie die Fische durch das Wasser)540 Mio JahreWasserschnecken, Quallen, Korallen, Algen
6.Landtiere400 MillionenFische…; Pflanzen kamen an Land, ebenso Tiere: Skorpione, Insekten, Amphibien…
200 MillionenDinos, Säugetiere, Vögel
Menschen als Ebenbild Gottes7-4 Mio.

200.000
Menschen Vorfahren;
Homo sapiens sapiens
7.Gott ruhte (Kultur)100.000-1.000Massive kulturelle Entwicklung

(1) Das Wort „Urknall“ war ein Spottwort. Damit wollte man den Wissenschaftler, der das zuerst entdeckt hatte, ein katholischer Priester und Astrophysiker (Georges Lamaître), verspotten. Inzwischen ist aber gesichert, dass es einen Anfang gab. Vorher dachte man wissenschaftlich, dass alles schon immer so war.

Aufgabe 4: Was fällt Dir an der Tabelle auf? Schreibe es mit wenigen Sätzen auf.

Bislang ungelöste Fragen – viel Spaß beim Kopfzerbrechen! – Es gibt Theorien – aber letztlich sind die Fragen ungelöst:

  1. Was ist Nichts? Was war, bevor etwas war und was ist außerhalb des expandierenden Universums?
  2. Wie ist Materie entstanden?
  3. Warum ist alles mathematisch „angelegt“?
  4. Wie kommt es, dass Ordnung aus Chaos entsteht und nicht, wie wir es kennen, Chaos aus Ordnung?
  5. Wie können Sterne und Planeten entstehen?
  6. Woher kommt das ganze Wasser auf der Erde?
  7. Es musste ein Unmenge an Bedingungen gegeben sein, damit Leben auf der Erde entstehen konnte (Mond, Jupiter, Abstand von der Sonne, Neigung der Erde, Erd-Athmosphäre…)
  8. Wie entstand geschlechtliche Vermehrung, bzw. wie Spezies (Mutationen)?
  9. Wie kann aus Materie Geist entstehen – wie kann Materie denken?
  10. Warum ist der Mensch künstlerisch tätig? Kunst kann man nicht essen.

Aufgabe 5: Dir fallen sicher weitere Kopfzerbrecher ein? Schreibe sie auf.

Grundfragen mit Blick auf den Glauben:

Ist die Welt Zufall? Ist sie absichtlich so schön gemacht worden? Ist es Zufall, dass es inzwischen ein Lebewesen gibt, dass alles bewusst ansehen und darüber nachdenken kann – also der Mensch? (Ob es weitere denkende Lebewesen auf anderen Planeten gibt, ist denkbar – aber wir wissen es nicht.) Wenn sie nicht Zufall ist – wer steckt dahinter? Religionen sagen: Gott.

Die Frage, die dann immer gestellt wird: Und wer hat Gott gemacht? Diese erübrigt sich, denn „Gott“ ist ein Wort, das beinhaltet: er war ewig und wird ewig sein. Das können wir uns auch nicht vorstellen. Wenn die Welt ewig wäre – dann wäre sie im Grunde ein willenloser Gott.

Kommen wir zu unserem Schöpfungstext aus Genesis 1 zurück: Diejenigen, die das gedichtet haben, sie gehen davon aus, dass die Welt kein Zufall ist.

Und wenn sie manchmal auch sehr grausam erscheint: Gott wird es wieder gut machen – weil die Grundmelodie der Schöpfung ist: Und Gott sah, dass es gut war.

*

Zur Entspannung kommt nun ein Lied, der Psalm 8:

Ein Psalm Davids.
2 HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel.
3 Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge hast du ein Bollwerk errichtet wegen deiner Gegner, um zum Einhalten zu bringen Feind und Rächer.
4 Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt:
5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße:
8 Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere, 9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.
10 HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!

Heute interpretiert – und aus christlicher Perspektive weiter geführt:

Aufgabe 6:
a) Worüber freut sich der Psalmsänger?
b) Worüber freut sich der Sprecher in dem Youtube-Clip darüber hinaus?

Naturwissenschaft und Glaube

Durch die Bibel wussten Menschen unserer Kultur, dass die Natur nicht aus Göttern und Geistern besteht. Sie ist von Gott berechenbar gemacht worden. Durch diesen Glauben – der sich mit philosophisch-griechischer Tradition vermischte – konnten Naturwissenschaften entstehen. In der Naturwissenschaft versuchen Menschen, die schöne Welt Gottes nachzuvollziehen. Die Naturwissenschaftler unseres Kulturkreises waren Christen. Sie erkannten die Gesetzmäßigkeiten in der Natur, die mathematischen Genauigkeiten – sie wollten dem auf die Spur kommen: Wie hat der Schöpfer das alles gemacht? Und so sprach man von zwei Büchern Gottes, die man lesen muss: Die Bibel als Buch und die Schöpfung als Buch.

Heute lösen sich Naturwissenschaftler vom Glauben und versuchen die Welt ohne Gott zu erklären, das ist auch gut so – man spricht vom „methodischen Atheismus“. Das heißt, man kann die Natur untersuchen, ohne dass der Glaube dabei eine Rolle spielt. Das bedeutet freilich nicht, dass christliche Naturwissenschaftler Gott nicht dafür loben können, dass er alles so schön gemacht hat.

Über das Verhältnis von Naturwissenschaft und Glaube wird viel nachgedacht. Manche sagen, sie widersprechen sich, manche sagen, ihre Themenbereiche sind vollkommen verschieden, manche sagen, sie passen gut zusammen. Ich denke: Die wissenschaftlichen Erklärungen widersprechen den Schöpfungsgeschichten nicht. Die Wissenschaft will nur erklären, was wir sehen, was experimentell zu beweisen ist usw. Die Schöpfungsgeschichte will nur bekennen, was hinter der Schöpfung zu erkennen ist:
Gott handelt – die Welt ist kein Zufall.
Das Leben ist nicht sinnlos, denn Gott gibt dem leben Sinn.
Menschen werden eingesetzt, die Schöpfung Gottes zu bewahren.

Aufgabe 7: Wie siehst Du das? Widersprechen sich Glaube und Naturwissenschaft – oder nicht? Begründe!

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Antwort zur Aufgabe 3b: Das Judentum feiert den 7. Tag als Sabbat. An diesem Tag darf nicht gearbeitet werden. Die Schöpfungsgeschichte begründet diesen Ruhetag. Das heißt: Ihr sollt ruhen, weil Gott auch geruht hat.