Glaube und Naturwissenschaft 4

Nachtrag: Es ist auch weiterhin so gedacht, dass in der jeweiligen Reli-Doppelstunde die Aufgaben bearbeitet werden. Vergesst nicht die Pause! LG (03.02.2021) Wenn Fragen auftauchen, melde Dich bitte: wolfgangfenske@aol.com

Ihr müsst nicht alles ausdrucken. Es genügt, die unten genannten Aufgaben darzulegen.

Aus: https://www.sonntagsblatt.de/artikel/glaube/wissenschaft-glaube-religion-vereinbar-gegensaetze (Bilder entfernt)

6.09.2019 Wissen und Religion

Wissenschaft und Glaube: Wie sind die Themen vereinbar?

Von Paul Rieger

Wissen und Erkenntnis zu erlangen, gehört zu den größten Sehnsüchten der Menschheit. Blinder Fortschrittsglaube aber führt immer wieder zu der Vorstellung, bald sei Gott überflüssig. Wissenschaft sollte jedoch mit Glauben nicht in Konkurrenz treten. Denn beide erfüllen wesentliche Aufgaben im Leben der Menschen.

„An dem Tage, an dem ihr vom Baum esst, werden eure Augen aufgetan und ihr werdet wie Gott“, spricht die Schlange zu Adam und Eva im Garten Eden. Klug rührt sie an den edlen und unheimlichen Leidenschaften des Menschen: entdecken und erkennen, wissend werden. Mehr noch: Allwissend zu sein! (Faust: Zwar weiß ich viel, doch möchte ich alles wissen).

Soweit sich die Menschheitsgeschichte zurückverfolgen lässt, suchen, sammeln und schaffen Menschen Wissen. Nichts anderes besagt der Begriff Wissenschaft. Wer Wissen schafft, gewinnt Macht. Macht über die Natur, Macht über den Weltraum, Macht über die Moral und Macht über andere Menschen. Und vielleicht einmal auch Macht wie der allmächtige Gott. Das entzündet und schürt zugleich gute und böse Leidenschaften. Die Schlange wusste genau, womit sie locken konnte.

Suche nach Wissen und Erkenntnis so alt wie die Menschheit

In der Menschheitsgeschichte gab es Augenblicke, in denen in besonderer Weise den Menschen „die Augen aufgetan wurden“. In der Bibel finden sich verdeckt und offen Reste und Widerschein dieser gewaltigen Wissens- und Machtaufbrüche. In der Paradiesgeschichte schwingt spürbar nach, welch Glück es bedeuten musste, plötzlich in einem Garten wohnen zu dürfen. Ein bepflanzter Garten, das war das Paradies! Jetzt war das Heil angebrochen. Gott selbst ging hier spazieren.

Einige tausend Jahre später dann der Turmbau zu Babel. Vor lauter „Turm“ übersehen wir, dass diese Geschichte in kurzen Worten den Bau einer ersten Stadt widerspiegelt. Noch nie Dagewesenes auf Erden ersteht. Dämme und Kanäle, Pyramiden, Tempel und ein Heer, das die Feinde abwehrt. Die Türme erreichen den Himmel.

Fortschrittsglaube erfasst Menschen

Dann noch ein gewaltiger Schritt mit der Herausbildung der Naturwissenschaften, der Technik und der Industrie. Der Fortschrittsglaube erfasste vor hundert Jahren die Menschen wie ein Sturmwind. Es fehlt nicht mehr viel zum Heil der Menschheit. Forschen wir weiter, dann brauchen wir Gott nicht mehr. Die französische Revolution hat ihn gestürzt und die Göttin der Vernunft eingesetzt.

Im Zentrum von New York baute Rockefeller seinen Wolkenkratzer. Auf die Wände der riesigen Eintrittshalle ließ er die Bilder des kommenden Heils malen. Eines zeigt eine gekreuzigte Frau, Symbol der Menschheit, sie hängt zermartert am Kreuz, Techniker, Ärzte und Monteure eilen herbei, heben sie vom Kreuz. Endlich wird die Menschheit von allem Kreuz und Elend erlöst werden. Wir haben das Wissen dazu. Gott hat nicht geholfen, jetzt helfen wir uns selbst.

Wissen kann unangenehm sein

Die Schlange wusste, womit sie die Menschen verführen konnte, nicht mit Bosheiten, sondern mit dem edelsten Wunsch, den Menschen verspüren: Die Welt zu heilen. Die Schlange verschwieg nur dies: Dass wir sterblich sind. Das Wissen darum ist unangenehm, weil es unsere Ohnmacht aufdeckt. Im Paradies des Gartens zog der Tod ein: Du sollst wieder zu Erde werden! In den Städten ließ sich Unsterblichkeit trotz Tempel und Türmen und König, Mumifizierung und gefüllter Gräber nicht einfangen. Auch unsere moderne Wissenschaft kann es nicht. Aus dem Traum der Allmacht wird der Alptraum der Ohnmacht. Unser Wissen ist Stückwerk (1. Kor. 13,9). Wer vom Baum der Erkenntnis gegessen hat, muss Gut und Böse wahrnehmen.

Dunkelheit und Nichtwissen machen Angst. So haben frühere Forscher versucht, hinter die Natur zu schauen (griechisch: Metaphysik). Als das Filmen erfunden worden war, wollte ein Missionar seiner schwarzen Gemeinde in Afrika damit imponieren und filmte im Dorf. Nach Monaten kam der Film entwickelt zurück und wurde allen vorgeführt. Auf der Leinwand erschienen auch drei Dorfbewohner, die in der Zwischenzeit gestorben waren. Als die Leute das sahen, standen sie auf und schauten hinter die Leinwand. Wenn vorne etwas erscheint, das unverständlich ist, drängt es die Menschen hinter die Natur zu schauen.

Glaube kann keine Wissenschaft ersetzen und Wissenschaft keinen Glauben

Die Trennlinie läuft heute nicht zwischen Wissenschaft und Glaube, sondern zwischen falschem und rechtem Glauben. Wenn Naturwissenschaftler glauben, modernes Wissen könne Glauben ersetzen, so sind sie irrgläubig und wenn Glaubende glauben, kraft ihres Glaubens wüssten sie alles besser, dann sind sie abergläubisch. Glaube kann keine Wissenschaft ersetzen und Wissenschaft keinen Glauben. Beides steckt unauslöschlich in uns.

Glauben ist keine Erfindung der Christen, sondern eine Gabe Gottes in uns, Licht in der Dunkelheit zu suchen. Was Religion kann, ist Landkarten des Lebens zeichnen und Wege weisen. Gehen muss jeder selbst. Das Leben ist der Lehrmeister, der jedem beibringt, was sein Glaube wert ist. Unser christlicher Glaube bietet den Menschen sehr gute Landkarten und Wegweisungen an, die keiner ungeprüft wegwerfen sollte:

Aufgaben des Glaubens

Erstens verknüpft unser Glaube unsere sichtbare Natur mit einem Gott und Schöpfer, obwohl ihn keiner je gesehen noch gefasst hat. Keine Macht hat es bisher geschafft, diese Verbindung aufzulösen, auch nicht die Schlange aus dem Paradies. In anderen Religionen verknüpfen die Menschen die Natur mit Geistern und Dämonen, mit schwarzer Magie und Zauberei. Einige moderne Naturwissenschaftler verknüpfen die Natur mit Sinnlosigkeit oder mit dem Bild komplizierter Maschinen. Wir glauben an einen Schöpfer.

Zweitens verknüpft unser Glaube unseren Mut und unser Vertrauen, das wir in der Dunkelheit brauchen, mit Gottes Liebe und Barmherzigkeit, und macht aus Menschenvertrauen Gottvertrauen. Heidnische Religionen verknüpfen Gott mit Angst, Blutopfern und blinden Gehorsam. Wir glauben an den Gott der Liebe.

Drittens verknüpft unser Glaube Krankheit, Leiden, Sterben mit dem Rabbi Jesus von Nazareth am Kreuz. Niemand nimmt ihn dort vom Holz ab. Seine Gegner rufen ihm zu: Hilf dir selbst und steig herab vom Kreuz! Niemand steht bei, auch Gott nicht. Mit diesem Ereignis verbinden wir die Befreiung von der Angst, auf Erden den Himmel selbst machen zu müssen. Jeder menschliche Himmel hat noch immer seine Hölle erzeugt. Gott lässt sein Reich selbst kommen. Leiden und Sterben erhalten mit dem Kreuz einen neuen Wert, sie sind nicht Siegeszeichen des Todes, sondern Wegmarken zurück zu Gott.

Viertens verknüpft unser Glaube unser Leben mit dem Heiligen Geist. Das besagt, dass aus seiner Welt, die wir nicht einsehen können, er in ihm uns immer wieder besucht, begleitet, zurechtweist, führt, tröstet und rettet. So wächst der rechte Glauben heran, schafft Wissen, lernt Hoffen, Glauben und Lieben, bis Gott unser Wissen und unser Nichtwissen verwandelt in göttliche Weisheit, so wie er auf der Hochzeit zu Kana aus Wasser Wein machte.

Aufgaben:

  1. Wie interpretiert Rieger das Verhältnis zwischen Glauben und Naturwissenschaft?
  2. Welche Aufgaben weist er dem Glauben zu?
  3. Stellungnahme von Euch: Findest Du das plausibel, was spricht dagegen, was spricht dafür?
  4. Welche Aspekte bringt der folgende Beitrag mit in die Diskussion?
  5. Die Fragen 1-3 gelten auch für den folgenden Beitrag.

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Aus: https://www.erf.de/glaubens-faq/glaube-und-wissenschaft/33618-8

Autor: Dr. Jürgen Spieß

Glaube und Wissenschaft

Wenn von „Glaube und Wissenschaft“ die Rede ist, besteht für viele das Problem im Wörtchen „und“. Wäre ein oder besser? Sind Glaube und Wissenschaft Gegensätze?


Der Eindruck eines Gegensatzes von Glaube und Wissenschaft wird auch durch Bücher der mittlerweile nicht mehr ganz so „neuen Atheisten“ hervorgerufen, vor allem durch das Buch „Der Gotteswahn“ des Oxforder Evolutionsbiologen Richard Dawkins. Für ihn ist Glaube “blind“, eine Wahnvorstellung, die Wissenschaft dagegen beruht „auf Belegen“.

Dass der hier propagierte Gegensatz von „Glaube und Wissenschaft“ keiner sein muss, zeigt ein Blick in die Geschichte. Viele berühmte Wissenschaftler waren überzeugte Christen. Das prominenteste Beispiel ist Isaac Newton. Darüber hinaus gab und gibt es viele Wissenschaftler, die an einen persönlichen Gott glaubten bzw. glauben.

Zwei Beispiele sollen das verdeutlichen: Eines der wichtigsten wissenschaftlichen Projekte des 20. Jahrhunderts war die Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Der erste Direktor dieses Projektes war James Watson, über den Dawkins sich in seinem Buch positiv äußert. Er erhielt später gemeinsam mit Francis Crick für die Entschlüsselung der DNA den Nobelpreis. Watson ist überzeugter Atheist und hält das Leben für sinnlos und absurd, wie er vor einigen Jahren noch einmal in Interviews auch in Deutschland betonte.
 

Wissenschaftler und Christ

Als die Entschlüsselung des Genoms bekannt gegeben wurde, stand neben dem damaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton der gerade amtierende Direktor des Projektes, Francis Collins. Er ist ein überzeugter Christ. An führender Stelle dieses Projektes arbeiteten also im Laufe der Zeit Wissenschaftler, deren Weltanschauungen ganz unterschiedlich waren.

Ein anderes Beispiel: Im Jahre 1916 wurden in den USA 1.000 Naturwissenschaftler gefragt, ob sie an einen persönlichen Gott glauben, der auf Gebete hört. Ca. 40 Prozent bejahten dies. Im Jahre 1996 wurde wiederum 1.000 Naturwissenschaftlern die gleiche Frage gestellt. Auch diesmal wurde diese Frage von ca. 40 Prozent der Wissenschaftler bejaht („Spektrum der Wissenschaft“, 1999). Der Organisator der Umfrage von 1916 hatte mit seiner Befragung den Start für weitere Untersuchungen geben wollen – mit der Absicht zu zeigen, dass der Glaube von Wissenschaftlern an einen persönlichen Gott im Laufe der Zeit (und der fortschreitenden Wissenschaft) abnehmen würde. Dieser Beweis konnte nicht erbracht werden.

Den Gegensatz von Glaube und Wissenschaft muss man also – selbst als Wissenschaftler – nicht zwangsläufig sehen. Wo man aber natürlich einen Gegensatz sehen kann, ist der persönliche Glaube der Wissenschaftler. Es gibt Wissenschaftler, die an Gott glauben und Wissenschaftler, die nicht an Gott glauben.
 

Wissenschaft und Schönheit?

Der eigentliche Unterschied besteht darin, ob man glaubt, dass am Anfang unserer Welt planlose Materie stand, die („durch natürliche Selektion“, so Dawkins) immer komplexer wurde und schließlich Geist hervorbrachte oder ob man glaubt, dass am Anfang ein schöpferischer Geist stand, der Materie schuf. Der Oxforder Mathematiker John Lennox schreibt dazu („Hat die Wissenschaft Gott begraben?“): „Entweder verdankt die menschliche Intelligenz ihre Entstehung letztlich geist- und zweckloser Materie, oder es gibt einen Schöpfer. Es ist seltsam, dass einige Menschen behaupten, ihre Intelligenz führe sie dahin, die erste der zweiten Möglichkeit vorzuziehen“.

Ist es plausibel, unsere Erfahrungen von Sinn, Liebe, Schönheit und wissenschaftlicher Erkenntnis als Produkt geistloser, zielloser Materie zu betrachten oder ist es plausibler, diese Erfahrungen als Produkt eines schöpferischen Geistes zu verstehen, dem an Sinn, Liebe, Schönheit und wissenschaftlicher Erkenntnis liegt?

Die Frage, was der glaubt, der an Gott glaubt, beantwortete deshalb der Philosoph Robert Spaemann vor kurzem so („Der letzte Gottesbeweis“): „Er glaubt an eine fundamentale Rationalität der Wirklichkeit. Er glaubt, dass das Gute fundamentaler ist als das Böse. Er glaubt, dass das Niedere vom Höheren verstanden werden muss und nicht umgekehrt. Er glaubt, dass Unsinn Sinn voraussetzt und dass Sinn nicht eine Variante der Sinnlosigkeit ist.“
 

Spuren von Gottes Handeln

Ein weiterer Aspekt, der uns hilft zu verstehen, dass der vermeintliche Gegensatz von Glaube und Wissenschaft keiner sein muss, ist der Aspekt der Methodenfrage. Ich bin überzeugt, man kann Spuren von Gottes Handeln in dieser Welt erkennen, wenn man sein Handeln nicht vorher methodisch ausschließt und die Welt nur unter der Prämisse betrachtet, als gäbe es keinen Gott. Unsere Wirklichkeit, unsere Erfahrungen beinhalten mehr als das, was sich mit rein naturwissenschaftlichen Methoden erforschen lässt. Die Naturwissenschaften befassen sich mit „Wie-Fragen“: Wie funktioniert etwas? Wie laufen Prozesse in Raum und Zeit ab?

Ich bin überzeugt, man kann Spuren von Gottes Handeln in dieser Welt erkennen.

Andere Fragen, die für uns von großer Bedeutung sind, bleiben dabei offen. Der Nobelpreisträger Sir Peter Medawar (den Dawkins gern zitiert) zählt solche Fragen auf: Warum gibt es uns überhaupt? Was ist der Sinn des Lebens? Die Naturwissenschaften können ebenfalls keine Wertentscheidungen treffen. Sie können uns z.B. sagen, was Kernkraftwerke kosten, welche Leistungen sie erbringen – aber ob man Kernkraftwerke bauen soll, muss, darf, das hängt mit Wertentscheidungen zusammen. Welchen Preis sind wir bereit zu zahlen für das Bauen von Kernkraftwerken bzw. für den Verzicht auf Kernkraftwerke? Diese Fragen können uns Naturwissenschaften nicht beantworten. Sie können uns sagen, was wir tun müssen, um bestimmte Ziele zu erreichen, aber ob wir diese Ziele erreichen sollten, müssen wir woanders her beantworten.
 

Fische fangen

Der Physiker Hans Peter Dürr, Nachfolger Heisenbergs als Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts und Gewinner des alternativen Nobelpreises, beantwortete die Frage „Was hat die Wissenschaft mit der Wirklichkeit zu tun?“ einmal mit einem Gleichnis: Ein Mann sitzt am Ufer eines Flusses und fängt Fische. Ein Wanderer kommt vorbei und fragt ihn, „Was tust Du?“ „Ich fange Fische.“ „Was kannst Du über Fische aussagen?“ „Sie sind alle mindestens 5 cm lang.“ Der Wanderer lässt sich das Netz zeigen. Es hat Maschen mit einem Umfang von 5 cm. Daraufhin sagt er: „Wenn es kleinere Fische als 5 cm gäbe – und ich meine, solche gesehen zu haben –, so könntest du sie nicht fangen, sie würden durch dein Netz hindurch schlüpfen.“ Darauf der Fischfänger mit Selbstbewusstsein: „Was ich nicht fangen kann, ist kein Fisch.“

So arbeitet die Wissenschaft, und sie muss auch so arbeiten, um zu Ergebnissen zu kommen: Sie hat ein bestimmtes Netz und fängt daraufhin bestimmte Fische oder um es etwas abstrakter zu sagen: Sie stellt bestimmte Fragen und erhält daraufhin bestimmte Antworten. Wonach sie nicht fragt, darauf bekommt sie auch keine Antworten – wie bei Dopingkontrollen: man findet – wenn überhaupt – nur die Substanzen, nach denen man sucht. Nach Dürr gibt es einige „Fische“ die man prinzipiell mit den Netzen der Wissenschaft nicht einfangen kann: ästhetische Fragen (was ist Schönheit?) und religiöse Fragen. Stellen wir uns Gott als den vor, der alles geschaffen hat, auch uns mit allen unseren Netzen – mit welchem Netz, welcher Wissenschaft sollten wir ihn einfangen können? Das ist prinzipiell nicht möglich. Wir können nur Aussagen über Gott machen, wenn er sich offenbart.
 

Anregung zum Forschen

Wissenschaft ist ein Zugang zur Wirklichkeit, aber nicht der allein gültige. Viele für uns wichtige Erfahrungen religiöser und künstlerischer Art können allein mit Wiegen, Messen und Beobachten nicht einmal annähernd erfasst werden. Diese Einschränkung mindert keineswegs den Wert der Naturwissenschaften für unser Leben – denken wir allein an den medizinischen Fortschritt –, weist aber auf ihre Begrenzung hin.

Viele für uns wichtige Erfahrungen religiöser und künstlerischer Art können allein mit Wiegen, Messen und Beobachten nicht einmal annähernd erfasst werden.

Man muss als rational denkender Mensch Glaube und Wissenschaft nicht als Gegensätze verstehen. Viele Wissenschaftler haben sich mit den Gesetzen der Natur beschäftigt, weil sie von einem Gesetzgeber fest überzeugt waren. Sie waren überzeugt: Menschen sollen – gerade, weil sie an Gott glauben – diese Welt erforschen. Die Anregung dazu fanden sie – in der Bibel: „Groß sind die Taten des Herrn, zu erforschen von allen, die Lust an ihnen haben.“(Psalm 111,2)


Dr. Jürgen Spieß war von 1999 bis 2015 Leiter des Instituts für Glaube und Wissenschaft in Marburg (www.iguw.de).